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Das Marschallbüro (ehemaliges Regierungsbezirksgebäude) Narrative

from the audio walk Ermland-Hauptstadt und Kopernikusstadt | Allenstein | Olsztyn

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Ermland-Hauptstadt und Kopernikusstadt
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22 Stations
43:57 min Audio
3.79 km directions_walk
Das Marschallbüro (ehemaliges Regierungsbezirksgebäude) Narrative

Wir stehen vor einem der wichtigsten Verwaltungsgebäude Allensteins. Erbaut zwischen 1908 und 1911, beherbergte es den neu gegründeten Regierungsbezirk Allenstein – eine angesehene Verwaltungsbehörde Ostpreußens.

Im Inneren dieses monumentalen Gebäudes führt eine imposante Treppe zu eleganten Sitzungssälen, deren originaler Stuck erhalten geblieben ist. Hier wurden Entscheidungen getroffen, die die gesamte Region betrafen.

1920 wurde das Gebäude zum Zentrum der Ereignisse, die die Zukunft Ermland und Masurens bestimmen sollten. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mussten die Siegermächte die Grenzen des wiedererstandenen Polens festlegen. Die Zukunft von Ermland und Masuren sollte in einer Volksabstimmung am 11. Juli 1920 entschieden werden.

Allenstein entwickelte sich daraufhin zu einem Zentrum der internationalen Diplomatie. In diesem Gebäude tagte die Interalliierte Regierungs- und Volksabstimmungskommission, bestehend aus Vertretern Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Japans. Hier wurde der Stimmzettel vorbereitet, die Ergebnisse aus dem gesamten Bezirk erfasst und das Endergebnis verkündet.

Der Wahlkampf zur Volksabstimmung war außerordentlich brutal und von Propaganda, Einschüchterung und Gewalt begleitet. Deutschland verfügte über eine deutlich stärkere administrative und finanzielle Basis. Zudem kämpfte Polen zum Zeitpunkt der Abstimmung im Krieg gegen die Bolschewiki ums Überleben, was die Unsicherheit unter den Bewohnern der Region verstärkte.

Nicht nur die Einwohner von Ermland und Masuren waren wahlberechtigt, sondern auch diejenigen, die hier geboren waren und seit Jahren in anderen Teilen Deutschlands lebten. Sonderzüge brachten Tausende dieser Wähler aus Berlin, Hamburg und dem Ruhrgebiet.

Das Ergebnis war eindeutig. Rund 98 Prozent der Wähler stimmten für den Verbleib in Deutschland, während etwa 2 Prozent für den Anschluss an Polen stimmten. In Allenstein selbst war die deutsche Stimme überwältigend. Viele Einwohner sprachen Polnisch oder den ermländischen Dialekt, fühlten sich aber dem deutschen Staat verbunden und fürchteten die ungewisse Zukunft eines wiedererstandenen Polens.

Infolgedessen wurden nur wenige Grenzorte in Polen eingegliedert. Allenstein und fast ganz Ermland blieben bis 1945 in Ostpreußen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für das Gebäude ein völlig neues Kapitel. Viele Jahre lang diente es als Hauptsitz der Bezirksdirektion der Polnischen Staatsbahnen (PKP). Heute erfüllt es wieder eine administrative Funktion – es beherbergt das Marschallamt der Woiwodschaft Ermland-Masuren und das Woiwodschaftsverwaltungsgericht.


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