Vor uns befindet sich das Hohe Tor, ehemals Oberes Tor genannt. Es ist heute das einzige erhaltene der drei mittelalterlichen Stadttore von Allenstein.
Jahrhundertelang war es der Haupteingang zur Stadt. Händler, Reisende und Gesandtschaften zogen hindurch, und in Gefahrenzeiten sogar Truppen. Das Tor diente nicht nur der Verteidigung – es beherbergte auch ein Gefängnis, in dem unter anderem Schuldner und Untersuchungshäftlinge festgehalten wurden.
Das Hohe Tor ist mit der Geschichte von Wojciech Kętrzyński verbunden, einem der bedeutendsten polnischen Historiker des 19. Jahrhunderts. Geboren wurde er als Adalbert von Winkler in Masuren. Erst als junger Mann entdeckte er seine polnischen Wurzeln und nahm bewusst den Namen Wojciech Kętrzyński an.
Während des Januaraufstands unterstützte er die Aufständischen, woraufhin er von den preußischen Behörden verhaftet und wegen Waffenschmuggels im Hohen Tor inhaftiert wurde. Nach seiner Freilassung widmete er sich der Wissenschaft. Er erforschte die Geschichte Ermland-Masurens und dokumentierte das polnische Erbe dieser Regionen. In Anerkennung seiner Leistungen wurde die Stadt Rastembork 1946 in Kętrzyn umbenannt.
Unter dem Hohen Tor finden sich Fragmente ehemaliger Straßenbahnschienen. Sie erinnern daran, dass von 1907 bis in die 1960er-Jahre die Straßenbahnlinie genau hier verlief.
Betrachten wir nun den oberen Teil des Tores von der Altstadtseite aus. Dort befindet sich ein Gemälde Unserer Lieben Frau Königin des Friedens – ein Geschenk von Papst Johannes Paul II. nach seiner Pilgerreise nach Olsztyn im Jahr 1991. Es handelt sich nicht um ein traditionelles Gemälde, sondern um ein Mosaik aus farbigen Glasmosaiksteinen, das in einer der Werkstätten der Fabbrica di San Pietro im Vatikan in Rom gefertigt wurde. In Olsztyn erinnert das Bild der Muttergottes, Königin des Friedens, an den Schutz Mariens über die Stadt sowie an die Botschaft des Papstes von Frieden und Versöhnung.