Der Stein erinnert an einen kurzen, aber folgenreichen Moment der Stadtgeschichte: den eintägigen Aufenthalt des französischen Kaisers am 3. Februar 1807.
Damals befand sich Allenstein seit fast 35 Jahren unter preußischer Herrschaft. Nach der Ersten Teilung Polens im Jahr 1772 war das Ermland Teil des Königreichs Preußen geworden. Polen selbst existierte zu dieser Zeit nicht mehr als unabhängiger Staat – nach den drei Teilungen durch Preußen, Russland und Österreich war es seit 1795 vollständig von der politischen Landkarte Europas verschwunden.
Der Aufenthalt Napoleons fiel somit in eine außergewöhnliche Epoche: Eine alte polnisch-litauische Staatsordnung war untergegangen, Preußen gehörte zu den wichtigsten Gegnern Frankreichs, und die Armeen Napoleons veränderten die politische Landkarte Europas.
Im Jahr 1807 zog Napoleons Armee während des sogenannten Winterfeldzugs gegen Russland und Preußen durch Allenstein.
Die Gefechte bei Jonkowo und Allenstein brachten keine Entscheidung. Erst wenige Tage später kam es zur blutigen Schlacht bei Preußisch Eylau. Einige Monate danach, im Juli 1807, entschied Kaiser Napoleon Bonaparte nach seinem endgültigen Sieg über die russische Armee bei Friedland, aus den preußischen Gebieten der zweiten und dritten Teilung Polens das Herzogtum Warschau zu errichten.
In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass das Ermland mit Allenstein bereits im Zuge der ersten Teilung Polens also von der Republik Polen getrennt worden war. Deshalb gehörte die Region nicht zum neu gegründeten Herzogtum Warschau.
Obwohl der Aufenthalt der napoleonischen Truppen für Frankreich militärisch erfolgreich war, bedeutete er für Allenstein und das Ermland eine humanitäre und wirtschaftliche Katastrophe. Die Stadt, die damals nur etwa zweitausend Einwohner zählte, musste Tausende Soldaten und Kriegsgefangene versorgen. Dies führte zu Armut, Hungersnot und Seuchen, denen schließlich nahezu ein Viertel der damaligen Bevölkerung Allensteins zum Opfer fiel.
Ein einfacher Stein statt eines prunkvollen Denkmals passt vielleicht besser zu dieser Geschichte: Er erinnert nicht an einen Triumph, sondern an einen historischen Augenblick, der für Allenstein zugleich faszinierend und tragisch war.