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Denkmal zur Befreiung des Ermlands und Masurens

from the audio walk Ermland-Hauptstadt und Kopernikusstadt | Olsztyn

Price: 4.99 €
Ermland-Hauptstadt und Kopernikusstadt
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28 Stations
71:56 min Audio
4.81 km directions_walk
Denkmal zur Befreiung des Ermlands und Masurens

Wir stehen vor einem der bekanntesten und zugleich umstrittensten Denkmäler Olsztyns. Offiziell trägt es den Namen „Denkmal zur Befreiung Ermlands und Masurens“. Die Einwohner nennen es jedoch meist einfach „den Galgen“ – wegen seiner zwei markanten Pylone, die an einen riesigen Galgen erinnern.

Das Denkmal wurde 1954 enthüllt und sollte ursprünglich die Dankbarkeit gegenüber der Roten Armee ausdrücken. Geschaffen wurde es von Xawery Dunikowski, einem der bedeutendsten polnischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Für den Bau verwendete man Steinblöcke aus dem Tannenberg-Mausoleum im heutigen Olsztynek.

Damit gelangen wir zu einer faszinierenden historischen Geschichte. Das Mausoleum erinnerte an den deutschen Sieg über Russland im Jahr 1914. Genauer gesagt handelte es sich um einen Sieg des Deutschen Reiches unter preußischer Führung über die russische Armee in Ostpreußen. Doch der Name „Tannenberg“ war kein Zufall.

Die eigentliche Schlacht von Tannenberg fand bereits 1410 statt. In Polen ist sie als Schlacht bei Grunwald bekannt. Damals erlitten die Ritter des Deutschen Ordens eine vernichtende Niederlage gegen die vereinten polnisch-litauischen Truppen. Mehr als 500 Jahre später entschieden sich die deutschen Militärführer bewusst dafür, ihren Sieg von 1914 ebenfalls „Schlacht bei Tannenberg“ zu nennen – obwohl die Kämpfe nicht am selben Ort stattfanden.

Damit sollte symbolisch gezeigt werden, dass die Niederlage von 1410 endlich „gerächt“ worden sei. Man könnte sagen, dass hier Geschichte gezielt für politische Zwecke genutzt wurde. Der Name sollte weniger die tatsächlichen Ereignisse von 1914 und 1410 beschreiben als vielmehr eine bestimmte historische Erzählung schaffen. In heutiger Sprache würde man vielleicht von einem frühen Beispiel politischer Geschichtsinszenierung oder sogar einer Form von Desinformation sprechen.

Gerade deshalb steckt in diesem Denkmal eine besondere Ironie. Steine, die einst einen deutschen Sieg über Russland 1914 verherrlichten, wurden später für ein Denkmal verwendet, das den Sieg der Sowjetunion über Deutschland 1945 feiern sollte.

Auch die Bedeutung des Denkmals selbst wird bis heute unterschiedlich bewertet. Für manche symbolisiert es das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Andere erinnern daran, dass mit dem Einmarsch der Roten Armee auch Plünderungen, Zerstörungen und die jahrzehntelange politische Abhängigkeit Polens von Moskau verbunden waren. Deshalb wird seit Jahren darüber diskutiert, ob das Denkmal erhalten bleiben oder entfernt werden sollte.

Unabhängig von der eigenen Meinung zeigt kaum ein anderer Ort in Olsztyn so deutlich, dass Geschichte selten einfach und fast nie schwarz-weiß ist.

Auch das Schicksal spielt hier seine eigene Rolle. Direkt neben dem Denkmal ist eine Tiefgarage geplant, die im Krisenfall als Schutzraum dienen könnte. Die Ironie ist offensichtlich: Ein Ort, der einst einer Armee aus dem Osten gewidmet war, könnte künftig Menschen vor Gefahren schützen, die ebenfalls aus dem Osten kommen.

Zum Schluss lohnt sich noch ein Blick auf den Künstler. Xawery Dunikowski war während des Zweiten Weltkriegs Häftling im Konzentrationslager Auschwitz. Mit über 60 Jahren gehörte er zu den Gefangenen mit den geringsten Überlebenschancen. Dennoch überstand er fast fünf Jahre Lagerhaft und erlebte die Befreiung des Lagers durch die Rote Armee im Januar 1945. Diese Erfahrung prägte sein späteres Werk tief. Vielleicht erklärt sie auch, warum gerade er dieses Denkmal schuf – ein Kunstwerk, das bis heute Fragen über Erinnerung, Politik und die Bedeutung von Geschichte aufwirft.


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