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Altstadt

from the audio walk Ermland-Hauptstadt und Kopernikusstadt | Olsztyn

Price: 4.99 €
Ermland-Hauptstadt und Kopernikusstadt
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27 Stations
71:56 min Audio
4.73 km directions_walk
Altstadt

Mit dem Durchschreiten des Hohen Tores betreten wir die Altstadt von Olsztyn – den ältesten Teil der Stadt. Von der Gründung Allensteins im Jahr 1353 bis weit ins 19. Jahrhundert hinein reichte das gesamte Stadtgebiet nicht über diesen Bereich hinaus. Innerhalb der Stadtmauern lebten über Jahrhunderte nur wenige Tausend Menschen. Erst mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz im 19. Jahrhundert begann die Stadt rasch zu wachsen und weit über ihre mittelalterlichen Grenzen hinauszuwachsen.

Die Altstadt war auch die Heimat einer der bedeutendsten Persönlichkeiten, die jemals in Allenstein geboren wurden: Erich Mendelsohn. Der weltberühmte Architekt kam 1887 in einem Haus am damaligen Obermarkt zur Welt. Sein Vater David Mendelsohn betrieb hier ein Geschäft für Herrenbekleidung, Lederwaren und Uniformen und gehörte zu den angesehenen Kaufleuten der Stadt.

Das Wohnhaus der Familie befand sich in der heutigen Staromiejska-Straße. An seiner Stelle erinnert heute eine Gedenktafel an den berühmten Architekten. Das ursprüngliche Gebäude überstand jedoch das Jahr 1945 nicht und wurde zusammen mit vielen anderen Häusern der Altstadt zerstört.

Mendelsohn zählt zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Zu seinen bekanntesten Werken gehören der Einsteinturm in Potsdam, moderne Kaufhäuser in Deutschland sowie Gebäude in Großbritannien, Israel und den Vereinigten Staaten. Seine Architektur galt als revolutionär und beeinflusste die Entwicklung der modernen Baukunst weltweit.

Auch in seiner Heimatstadt hinterließ er ein Werk. Etwa anderthalb Kilometer südlich von hier, rund zwanzig Gehminuten entfernt, befindet sich das sogenannte Tahara-Haus, das jüdische Bestattungshaus am ehemaligen jüdischen Friedhof. Es wurde zwischen 1911 und 1913 nach seinen Plänen errichtet und war sein erstes realisiertes Bauwerk überhaupt. Nach dem Krieg verfiel das Gebäude zunehmend, wurde jedoch sorgfältig restauriert. Heute beherbergt es ein Kultur- und Bildungszentrum und gilt als eines der wertvollsten Denkmäler moderner Architektur in Olsztyn.

Während fast des gesamten Zweiten Weltkriegs blieb das damalige deutsche Allenstein eine vergleichsweise sichere Stadt im Hinterland der Front. Anders als viele andere Städte wurde sie nicht Ziel großflächiger alliierter Luftangriffe. Als die Rote Armee in der Nacht vom 21. auf den 22. Januar 1945 in die Stadt einmarschierte, war die historische Bausubstanz nahezu unversehrt. Die Kämpfe am Stadtrand und im Zentrum dauerten nur kurze Zeit und verursachten vergleichsweise geringe Schäden.

Der größte Teil der Zerstörungen der Olsztyner Altstadt war daher keine unmittelbare Folge der Kampfhandlungen. Vielmehr entstand er durch vorsätzliche, wiederholte Brandstiftungen sowjetischer Soldaten nach der Besetzung der Stadt. Dadurch wurden etwa 35 bis 40 Prozent der historischen Bausubstanz zerstört, während die Altstadt selbst besonders schwer betroffen war.

Beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren entschied man sich aus ideologischen Gründen gegen eine originalgetreue Rekonstruktion. Stattdessen sollten preußische Spuren beseitigt und die Architektur bewusst „repolonisiert“ werden. Vor dem Krieg sah der Marktplatz anders aus: Die Bürgerhäuser besaßen typische preußische Fassaden, und einige verfügten zwar über Arkaden, doch bildeten sie keine so einheitliche Folge wie heute. Die Architekten entwarfen bewusst durchgehende Arkadengänge, um der Altstadt ein stärker historisches Erscheinungsbild zu verleihen.

In derselben Zeit wurden zahlreiche Fassaden mit der Sgraffito-Technik verziert. Die Darstellungen zeigen Pflanzenmotive, Szenen aus der Fischerei, astronomische Motive sowie Alltagsszenen aus Ermland und Masuren. Wenn Sie durch die Gassen der Altstadt spazieren, lohnt es sich, den Blick immer wieder nach oben zu richten – viele dieser kunstvollen Details werden von Besuchern leicht übersehen.


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