Die Neiße ist weit mehr als nur ein landschaftlich reizvoller Fluss; sie war und ist seit Jahrhunderten eine zentrale Lebensader des Klosters St. Marienthal. Als direkter Beweis dieser engen Verbindung befinden sich auf der Neißeinsel vor dem Kloster bis heute die Zeugen dieser Nutzung: ein historisches Sägewerk sowie ein modernes Wasserkraftwerk.
Schon im Mittelalter, kurz nach der Gründung des Klosters im Jahr 1234, nutzten die Zisterzienserinnen die Kraft des Wassers. Hier auf der Neißeinsel direkt vor dem Kloster befand sich früher das Sägewerk, das Bauholz für das Kloster lieferte. Die Nutzung der Wasserkraft ersetzte hier Muskelkraft – dies galt als eine große technische Innovation ihrer Zeit. Es zeigt, wie das Kloster stets darauf bedacht war, seine Ressourcen sinnvoll und nachhaltig einzusetzen.
Nach Jahrhunderten der Nutzung wurde die Tradition in moderner Form fortgeführt: Heute wird an dieser historischen Stelle erneut Energie gewonnen, nicht mehr für Sägen, sondern für Strom. Ein modernes Wasserkraftwerk nutzt die natürliche Strömung der Neiße zur nachhaltigen Energiegewinnung. Damit verbindet das Kloster Tradition mit zeitgemäßem Umweltbewusstsein.
Die Neiße trennt hier Deutschland und Polen und verbindet zugleich Kulturen, Geschichte und Lebensräume. Nehmen Sie einen Moment wahr, wie die Naturkraft des Wassers hier Technik, Historie und Spiritualität vereint.
In der heutigen Zeit ist Arbeit weiterhin von großer Relevanz. Die Schwestern gestalten hier einen lebendigen Ort, an dem Spiritualität und Alltag miteinander verbunden sind. Schwester Lutgardis erzählt: „ Wir haben 20 Doppelzimmer und sechs Einzelzimmer, die wir Gästen vermieten. Die Gäste können bei uns übernachten, um eine kurze Auszeit zu nehmen oder auch eine längere Auszeit. Wir Schwestern bieten Seminare und Kurse an, in denen geistliche als auch persönliche Themen zur Sprache kommen. Des Weiteren agieren externe Kursleister für Kurse mit dem Thema Fasten sowie Yoga." Darüber hinaus kümmert sich Schwester Ursula beispielsweise um Gartenarbeiten, um die Säuberung des Hauses, Küchendienst oder auch um das Versorgen anderer Schwestern bei Bedarf. Zudem erzählt sie: „Meine jetzige Aufgabe ist hauptsächlich Kantorin, das bedeutet, ich stimme die Lieder/Choräle an. Wir haben verschiedene Proben, meistens einmal die Woche, weil wir auf lateinisch singen, das nennt sich gregorianischer Choral." Zudem begleiten die Schwestern Wochenend- und Wochenkurse zur Entspannung, Spiritualität, Besinnung und Kreativität und kümmern sich um die touristische Gästebetreuung – für Einzelreisende ebenso wie für Gruppen und Vereine.
Traditionelle Handarbeit findet in der Kloster-Nähstube und der Paramentenwerkstatt statt. Im Klostermarkt und im Online-Shop werden eigene Produkte angeboten, während die Klosterschenke Gäste mit Speisen und Getränken empfängt. Eine letzte, aber wichtige Wirtschafts- und Handwerkstradition des Klosters führt uns zum Bier: Auch in St. Marienthal gehörte einst eine eigene Brauerei zum klösterlichen Alltag. Heute wird das „St. Marienthaler Klosterbräu“ nach der überlieferten Rezeptur im Auftrag des Klosters seit 1998 von der Privatbrauerei Eibau in Sachsen, genauer in Kottmar gebraut. Die verschiedenen Sorten, meist mit rund 5 % Alkohol, sind für Sie im Klostermarkt, in der Klosterschenke oder im Online-Shop erhältlich.