Im 19. Jahrhundert entwickelten sich internationale Kurorte wie Baden-Baden zu
zentralen Schauplätzen einer neuen Luxuskultur. Hier entstanden die ersten
repräsentativen Grandhotels – lange bevor sie um 1900 die großen Metropolen prägten.
Dank der Eisenbahn erreichte die europäische Oberschicht ihre saisonalen Reiseziele
nun regelmäßig und bequem. Die luxuriösen Hotelpaläste wurden für Wochen zur
temporären Residenz, in der herrschaftliches Wohnen, Genuss und gesellschaftliche
Sichtbarkeit ineinandergriffen.
Am Beginn stand der Badische Hof, errichtet noch vor dem Bahnanschluss. 1807 vom
Verleger Johann Friedrich Cotta aus einem Kloster umgebaut, gilt er als erstes Palasthotel
Deutschlands. Mit eigenem Badehaus, Gesellschaftsräumen und englischem Garten
vereinte er Adel und Bürgertum. Ab den 1830er-Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt
der Hotellerie schließlich von der Heilkur hin zu Geselligkeit und Repräsentation.
Die führenden Häuser bildeten eine Adressenlandschaft, die Rang und nationale
Herkunft widerspiegelte. Die Maison Messmer besaß durch ihre Lage am Kurhaus und
ihre hochkarätige Klientel politische Symbolik: Sie war ab 1850 die regelmäßige Residenz
von König Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm I., und seiner Frau, der
späteren Kaiserin Augusta. Der Europäische Hof eröffnete 1840 als Hôtel de l’Europe
direkt gegenüber der Trinkhalle; zu den Stammgästen zählte Kaiserin Elisabeth von
Österreich. Aus dem Hôtel Stéphanie-les-Bains entwickelte die Familie Brenner das
Brenners Park-Hotel, in dem auch Napoleon III. residierte. Damit die Gäste Luxus,
Geselligkeit und Erholung genießen konnten, arbeiteten zahlreiche Menschen hinter den
Kulissen der Grandhotels. Sie boten Luxus auf Zeit und führten Adel und Bürgertum in der
exklusiven Welt des Modebades zusammen.
Grandhotels: Luxusräume auf Zeit
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