A: In meinem ersten Winter auf dem Archipel war der See zugefroren und ich lief zögerlich über das Eis genau auf den Punkt zu, an dem sich im Sommer der Graureiher niederlässt. Es war aufregend und kalt und neben mir rutschten noch andere über die glatte Oberfläche. Als sich das weiße Ufer immer weiter von mir entfernte, wurde die Tiefe des Wassers spürbar, von der mich nur diese dünne Eisschicht trennte, die vielleicht, wenn wir alle, die nun auf ihr waren, im selben Augenblick in die Luft sprangen, zerbersten und sich innerhalb von Sekunden von Eis zu Wasser verwandeln würde. Ich lief also zurück und sah mir selbst vom Ufer aus dabei zu, wie ich in meiner grauen Winterjacke, grau wie das Gefieder des Reihers, vollkommen regungslos mitten auf der Wasserfläche stand, mich abstieß und davon flog – Seitdem habe ich den See nie wieder zugefroren erlebt. Sein Eis existiert nur noch in meiner Erinnerung und auf diesem Foto. Auf der anderen Seite der Brücke, rechts auf dieser Infotafel, ist es zu sehen: Eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen in Schwarz-weiß, die vor vielen Jahrzehnten auf dem See Schlittschuh liefen.
Reiher II – Auf der Brücke
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