ZUM MITLESEN:
1. Kambrische Explosion
Hier, am siebten Schild, vor 560 Mio. Jahren, beginnt die Kambrische Explosion. Was hier „explodiert“, ist die Vielfalt der Mehrzeller. Innerhalb von nur 10 Mio. Jahren, das ist nur ein Meter auf unserem Weg, entstehen nahezu alle grundlegenden Körperbaupläne, die wir auch heute noch kennen.
Warum das so plötzlich und genau zu diesem Zeitpunkt passiert, stellt die Forschung weiterhin vor Rätsel. Aber klar ist, dass hier zwei Dinge zusammenkommen, nämlich zum einen günstige Umweltbedingungen und zum anderen geeignete Mutationen. So lassen sich hier in der DNA erstmals bestimmte Gene erkennen, die für die Steuerung von Körperstrukturen zuständig sind, und mit denen experimentiert die Evolution dann ordentlich herum. Jedenfalls bekommen die Schwämme und Quallen, die es ja schon länger gibt, eine Menge Gesellschaft, z.B. von Ringelwürmern, Armfüßern, Weichtieren und Stachelhäutern.
2. Außenpanzer (PHANEROZOIKUM)
Und auf dem Schild vor sich sehen Sie einen ganz berühmten Vertreter der Gliederfüßer. Es ist ein Trilobit. Diese Art wird über die nächsten 270 Mio. Jahre in den Meeren äußerst dominant bleiben.
Ganz neu ist sein fester Außenpanzer. Solche Hüllen aus Kalk bzw. Chitin entstehen nun in allen Formen und Größen. Besonders schön ist die Variante der Ammoniten, die sind nämlich wie eine Spirale geformt.
Wegen dieser festen Außenpanzer gibt es aus dieser Zeit auch die allerersten Versteinerungen. Das gibt diesem letzten der vier großen Erdzeitalter seinen Namen: Es ist das Phanerozoikum, das „Zeitalter sichtbaren Lebens“, und es löst das vorherige Proterozoikum ab.
3. Innenskelett
Eine weitere und für uns sehr wichtige Tiergruppe, die mit der Kambrischen Explosion entsteht, sind die Chordatiere. Bisher sind das bloß kleine Würmchen, die durchs Wasser treiben. Eigentlich handelt es sich um nicht viel mehr als Verdauungsschläuche, an dessen einem Ende Nahrung hinein und am anderen wieder hinausgelangt. Diese Tierchen bilden nun in ihrer Körpermitte einen Stab aus, Chorda genannt, der sie stabilisiert. Das ist quasi das Alternativmodell zum Außenpanzer.
Da sich später aus der Chorda die Wirbelsäule evolvieren wird, und auch wir Menschen eine Wirbelsäule haben, gehören auch die Chordatiere zu unseren direkten Vorfahren.
4. Sinnesorgane
Nun wissen wird, wie die ersten festen Körper grundsätzlich aufgebaut sind. Aber was fehlt noch? Für jedes Lebewesen wäre es natürlich ein entscheidender Vorteil, seine Umwelt auch wahrnehmen zu können. Daher beginnen sich Sinnesorgane zu bilden, meist sogar gleich mehrere parallel. Möglichkeiten gibt es viele, hier steht die ganze Bandbreite physikalischer Wahrnehmung zur Verfügung:
- Als erstes entsteht der Tastsinn, also das Spüren von Druck auf der Außenhaut.
- Dann kommen der Geruchssinn und der Geschmackssinn hinzu, womit sich z.B. giftige Moleküle erkennen lassen.
- Der Hörsinn ermöglicht die Wahrnehmung von Schallwellen.
- Und über das Sehen können sogar Lichtwellen wahrgenommen und in Bilder umgewandelt werden.
Auch für die Sinne gilt: Sie sind nicht einfach so „plötzlich da“, sondern beginnen auf einem ganz einfachen Niveau. Der Sehsinn etwa besteht anfangs nur aus ein paar wenigen lichtsensiblen Zellen irgendwo auf der Außenhaut. Damit lassen sich allenfalls helle und dunkle Flecken unterscheiden, aber bereits das ist ein enormer Vorteil gegenüber völliger Dunkelheit. In einer nächsten Entwicklungsstufe kann dann sogar schon ein Schatten aus einer bestimmten Richtung erkannt werden. Und so wird immer weiter perfektioniert, bis die Evolution nach Hunderten von Millionen Jahren so unterschiedliche Meisterwerke hervorbringt, wie das Linsenauge der meisten Fische und das Facettenauge der Insekten.
Und nun weiter zum nächsten Schild.